Yoshimoto Banana

Institut: Universität Leipzig, Ostasiatisches Institut, Japanologie
Seminar: Querschnitt der modernen Literaturgeschichte Japans
Leitung: Nakamura Ryuichi
Thema: Yoshimoto Banana
Referent: Mathias Lieber
Datum: 15.07.2003

Bananamania! Yoshimoto Banana

Leben

Yoshimoto Banana wurde am 24. Juli 1964 als Yoshimoto Mahoko (oder Maiko) in Tokyo geboren. Ihr Vater ist Yoshimoto Takaaki (auch Yoshimoto Ryumei), ein bekannter Buchkritiker, der großen Einfluß bei der Studentenbewegung in den 60er Jahren besaß. Sie hat Blutgruppe A.

Ihre ältere Schwester konnte sehr gut zeichnen und wurde später die bekannte Mangazeichnerin Haruno Yoiko. Durch sie begann Mahoko, sich etwas kreatives für sich selbst zu suchen und fing (angeblich mit 5 Jahren) an, zu schreiben. Ihr Stil wurde jedoch von diesen beiden Personen schon stark beeinflußt. Aufgezogen wurde sie sehr linksliberal, sie hatte wesentlich mehr Freiheiten als ihre AltergenossInnen. So soll zum Beispiel ihr Freund noch während der Gymnasiumszeit in die Wohnung der Yoshimotos eingezogen sein.

1986 schloß sie mit 22 Jahren ihr Studium der Kunst und Literatur an der Nihon University Tokyo ab. Danach arbeitete sie als Bedienung in einem Golfklubrestaurant und schrieb nebenbei ihr Debut "Kitchen", zum Beispiel wenn nicht viel los war oder sie eine halbe Stunde Pause hatte.

In dieser Zeit nahm sie auch ihren Künstlernamen Banana an, einfach weil sie Bananen mag. Sie sagt, weil er so "kawaii" ("süß") ist. Ein androgyn-sexueller Hintergrund ist aber nicht ganz auszuschließen. Auch wird behauptet, er habe etwas mit Ihrer Verehrung Matsuo Basho's zu tun, da Basho wohl das alte Wort für Banana sei. Ein dritter Aspekt ist der etwa 1974 erschienene Comic "Banana Bread Pudding" von Yumiko Oshima (Man beachte auch das spätere Buch "Ananas-Pudding"), deren Autorin zur Gruppe der berühmten "49er"/"24er" gehört und einen Meilenstein in der Shôjo-Manga-Kultur darstellt, die damals neue Elemente der Science-Fiction und Fantasy einbrachten.

Trotz ihrer gewaltigen Erfolge blieb sie im realen Leben stets die einfache Frau. Sie lebt heute mit ihrem Ehemann in Tôkyô, allerdings in einer sehr luxuriösen Wohnung. Zur Zeit schreibt sie etwa eine halbe Stunde pro Tag effektiven Text, und hat den Anspruch, dies zu ihrem eigenen Vergnügen zu tun, weswegen sie ein kleines bißchen schlechtes Gewissen bekommt. Eine politische Intention besitzt sie nicht, was Kawabata Yasunari an ihr einmal kritisierte.

Obwohl sie selbst verheiratet ist und auch in ihrem späten Roman "Honeymoon" eine Hochzeit verarbeitet, behauptet sie, daß die Ehe unnötig sei.

Sie pflegt ihre eigene Homepage auf http://www.yoshimotobanana.com, die in Form eines Buchcovers daherkommt und neben einem Profil auch Fragen beantwortet und ein elektronisches Tagebuch beinhaltet. Im Tagebuch finden sich Einträge für fast jeden zweiten oder dritten Tag, die Text sind manchmal länger als eine A4-Seite und erschienen bereits einmal als Sammlung. Tiefgründige Informationen sucht man allerdings vergeblich, fast jede Seite (Profil, Letzte News, Werke) stellen Listen von Büchern oder Auszeichnungen dar, die man sich dann wahrscheinlich schleunigst kaufen sollte.

Einflüsse

Sie selbst nennt als große Einflüsse:

  • Stephen King
    amerikanischer Schriftsteller
    geb. 1947
    fantast. Horrorgeschichten, u. a. »Friedhof der Kuscheltiere« (1983), »Die grüne Meile« (1996).

  • William Seward Burroughs
    amerikanischer Schriftsteller
    geb. am 05.02.1914 in Saint Louis (Missouri)

  • Isaac Bashevis Singer
    amerikanischer Schriftsteller polnischer Herkunft
    geb. 1904, gest. 1991
    Romane, Erzählungen in jiddischer Sprache
    Nobelpreis

  • Truman Capote (eigentlich Streckfus)
    amerikan. Schriftsteller
    geb. 1924 in New Orleans (Lousiana), gest. 1984 in Los Angeles
    Kurzgeschichten, Romane »Die Grasharfe« (1951), »Kaltblütig« (1966)

  • Murakami Ryu
    japanischer Schriftsteller
    geb. 1952 in Nagasaki
    Musashino University of Art Tokyo
    "Almost Transparent Blue"
    --> Akutagawa Literaturpreis 1976 + Verfilmung unter eigener Regie 1978

  • ihr Lieblingsbuch: Cime tempestose (Emily Brontë)
    Brontë, Emily Jane (Pseudonym Ellis Bell)
    geb. am 30.07.1818 in Thornton (ehemals County Yorkshire), gest. 1848
    zusammen mit Schwestern Anne (1820-1849) und Charlotte (1816-1855) britische Erzählerinnen

  • ihr Lieblingsregisseur: Dario Argento
    Argento, Dario
    italienischer Horrorfilm-Regisseur
    geb. 1943
    Sohn des italienischen Filmproduzenten Salvatore Argento
    zunächst Filmkritiker, dann Assitent des Horrorfilmers Mario Bava, später eigene Produktionen
    Filme "Opera", "Inferno", "The Cat O'Nine Tails" (1971)

Veröffentlichungen

  • 1986/1988: Kitchen (inklusive Moonlight Shadow)
  • 1989: Dornröschenschlaf - Drei Erzählungen von der Nacht
  • 1989: Tsugumi
  • 1990: N.P.
  • 1993: Lizard
  • 1994: Amrita
  • 1996: Sly
  • 1997: Honeymoon
  • 1998: Painatsu Purin ("Ananas-Pudding") (Kurzgeschichten)
  • 2000: Asleep (Kurzgeschichten)

Status

Sie hat schon so einige Preise gewonnen, wie im nächsten Abschnitt deutlich werden wird, und es zu einer großen Popularität nicht nur in Japan, sondern in vielen Ländern der Welt gebracht, besonders unter Jugendlichen, und da wiederum bei den weiblichen Lesern. Ihr erklärtes Lebensziel ist die Auszeichnung mit dem Nobelpreis für Literatur.

Preise und Erfolge

  • 1986 - Nihon University's Department of Arts-Preis für "Moonlight Shadow"
  • 1987 - Kaien Magazine New Writer-Preis für "Kitchen"
  • 1988 - Izumi Kyoka Literatur-Preis für "Kitchen"
  • 1988 - Premio del Ministro della pubblica istruzione per scrittori esordienti per "Kitchen" e "Utakata/Sankuchuari"
  • 1989 - Yamamoto Shugoro-Preis fürr "Tsugumi"
  • 1998 - Izumi Kyoka-Preis
  • 1993 - italienischer Scanno-Preis für "N.P."
  • 1995 - Murasaki Shikibu-Preis fürr "Amrita"
  • 1996 - Premio Fendissime Under 35 per "Lucertola"
  • 1999 - Premio Maschera d' argento
  • 2000 - Premio Bunkamura Duet Magot per "Furin to nanbei" (La Piccola Ombra)

"Kitchen" wurde zweimal verfilmt: einmal als japanischer Fernsehspielfilm und noch einmal 1997 in einer berühmteren Version von Yim Ho aus Hong Kong (damals gerade China geworden). 60mal wurde das Buch aufgelegt, sie bekam für dieses Werk den Umitsubame-Erstveröffentlichungs-Preis. John Wittier Treat weist allerdings darauf hin, daß ihr Erfolg in Amerika nicht ganz von allein kam: Mit vielen Werbekampagnien und Anzeigen wurde nachgeholfen und auch einige Kritiken und Reviews kamen nicht nach dem Erfolg, sondern haben diesen eher hervorgerufen.

Beim G7-Gipfeltreffen verteilte das japanische Außenministerium 800 Ausgaben dieses Buches an die ausländischen Delegationen. Ob die Verantwortlichen des Ministeriums vorher selbst einen Blick ins Buch warfen, ist unbekannt, handelt die Geschichte doch von einem trans-sexuellen Vater und einem Jungen, der die Schuluniform seiner verstorbenen Freundin trägt.

Arbeitsgebiete

  • Gedicht
  • Erzählung
  • Roman

Charakteristik

  • Shôjo-Thematik
  • Manga/Comic-Stil
  • Licht und Farben
  • Freundschaft
  • Tod
  • Mystik
  • Traum
  • Esoterik

Stil

Mit ihrem radikalen Stil stellt sie oft Einsamkeit und Hoffnung gegenüber, oftmals mit einem aufmunternden und positiven Happy-End, jedoch mit einer melancholischen Grundhaltung.

Charakteristisch ist die Häufung unwahrscheinlicher, teils übernatürlicher Ereignisse, der Glaube an die Kraft der Träume, welche als Vorahnungen auf das reale Leben Einfluss nehmen können ebenso wie eine Tendenz zum Esoterischen.

Thema

Thema ist oft der Verlust, d.h. der Tod, eines geliebten Menschen, die ohnmächtige Wut darüber, aber auch die Gewissheit, dass rechtzeitig von irgendwoher eine rettende bzw. helfende Hand kommen wird.

"In ihren orientierungslosen aber lebenshungrigen Figuren können sich die japanischen Jugendlichen wiederfinden; auch sie stehen zwischen Traditionsbewusstsein und den gesellschaftlichen Zwängen der japanischen Hochleistungsgesellschaft; und die Sprache zwischen Poesie und Comic, diese freche und melancholische, von undefinierten und unerfüllten Hoffnungen geprägte Sprache, die sprechen sie auch".

zeitliche Einordnung

Ideengeschichtlich wird sie oft in die Postmoderne eingeordnet. Ich werde daher ganz kurz anreißen, was Postmoderne sein soll.

Die Postmoderne als philosophische Strömung ging aus dem Poststrukturalismus in den 60ern und 70ern hervor und stellt das lineare Geschichtsbild der Moderne und ihre kühle Vernunft und Rationalität, wie sie zum Beipiel von John Stuart Mill diskutiert wird, in Frage. Dabei geht es um die Debatte, ob die Moderne überholt sei, ihre Werte nicht mehr für die Gesellschaften nach dem zweiten Weltkrig zutreffen und welche zukünftigen sozialen Muster unser Leben bestimmen werden.

Unklar ist, in welchen Strukturen sich Postmoderne in Kunst, Musik oder Architektur ausdrückt. Denn einer ihrer Kernfaktoren ist die Ambiguität selbst. Dinge und Symbole bleiben undisambiguiert (mehrdeutig) und Referenziertes wird oft durch Referenz ersetzt. Personen gehören zu verschiedenen Kreisen und Klientelen und nehmen in verschiedenen Domänen spezifische Rollen und Ausprägungen an. Die klassische (boolsche) Logik scheint nicht mehr anwendbar zu sein.

Eine Betonung des Relativen ersetzt das Absolute der Moderne. Aussagen müssen in Kontext, Raum und Zeit verstanden und interpretiert werden.

Zu Yoshimoto Banana: Ihre Personen werden getrieben von Emotionen und übernatürlichen Kräften. Ihr Handlungsverlauf ist teilweise unlogisch. Oft wird Traumwelt und Realität vermischt. Die Überbetonung des Symbolischen in ihren Werken und ihre Aufarbeitung des Privat- und Familienlebens stehen nicht im Einklang mit den Werten der klassischen Moderne. Zumindest ein Hang zu postmodernen Strukturen ist deutlich erkennbar. Ob dies auf das gesamte bisherige Lebenswerk zutrifft, ist unklar. Ihre Einflüsse aus verschiedenen Epochen und Kultursphären mögen die Aufklärung darüber verkomplizieren.

Literarisch gehört sie noch nicht zu den Klassikern der japanischen Literatur. Ihr Stil ist völlig anders als der der bisherigen, weilweise politisch motivierten, Schriftsteller. Die düsteren Stimmungen von Ôe werden ersetzt durch zuckersüße Melancholie einer neuen Art.

Auch wenn sie dadurch teilweise als "radikal" (s.o.) bezeichnet wird: In ihrem Schaffen gehört sie wiederum nicht mehr zur neuesten Welle der als "J-Bungaku" belabelten Jugend-Literatur der 90er Jahre, die ebenfalls aus Tôkyô stammt und deren Vertreter (zum Beispiel Suzuki Seigô mit seinem kürzlich verfilmten Buch "Rock'n'Roll-Mishin" (auch in der naTo gelaufen!) sich in sogenannte Zôn (Zones) gliedern: "shibuya-kei", "Seizôn-kei" und "furîtâ-zôn-kei" und die Shinjuku-Fraktion der "noizu-kei". Nur als Beigabe zur Abrundung der Autorenliste erscheint sie mit Murakami Haruki im zweiten Abschnitt.

Ihr Stoff ist schon um einiges internationaler als der ihrer Vorgänger: Trans-Sexualität, Homosexualität, virtuelle Welten und auch verarbeitete Asienreisen sprechen für ein neues interkulturelles Bewußtsein. Dennoch bleibt sie zum Beispiel durch ihren Einsatz des klassischen "Doppelselbstmord aus Liebe"-Motivs an ihren japanischen Wurzeln hängen. In eine neue Ära der Internationalität, die mit zwei auf Japanisch schreibenden Ausländern (den Koreanern Yû Miri, der auch den Izumi Kyôka-, Noma Bungei- und den Akutagawa-Preis gewann und Yan Sogiru "Tagebuch eines Taxifahrers"), Tawada Yôko (studierte und lebt in Deutschland) sowie Mizumura Minae (aufgewachsen in Amerika) ist sie bereits schon nicht mehr zu zählen, ebenso nicht zur Pop-Literatur-Welle, die Ende der 80er debutierte oder den "neuen Schwierigen". Sie entspringt einer Generation, die sich anfangs noch anschickte, der "Junbungaku", der "reinen Literatur", beizupflichten.

Yoshimoto Banana und Sexualität

Wer Kitchen liest, denkt, Yoshimoto Banana ist asexuell oder verklemmt: Die Küche ersetzt das Bett, eine Suppe ersetzt die Zärtlichkeiten, eine Gurkensalat das Geständnis einer Liebe. Sie selbst sagt, der transexuelle Vater war einfach nur als Gegenstand einer Schwiegermutter geplant, ein Mann, der Frauenkleider trägt.

In "Marika's Sofa" verkörpert ein 13jähriger Junge das unschuldige maskuline Wesen. Ihm kann sich die Hauptheldin widmen: Er ist immer bei ihr, verletzt sie nie, und sie kümmert sich um ihn, als sei es ihr Baby (mit ihrer Freundin spricht sie dies auch aus und träumt einmal, er wäre ihr Fötus).

In anderen Werken waren Männer oder Väter häufig gewalttätig oder sexuell aufdringlich. Auch in Kitchen stirbt die sympatische Mutter (zwar auch ein Mann, aber ein gezähmter in Frauenkleidern und operiert) durch die Gewalt eines anderen Mannes. Woher diese Einstellung rührt, ist unklar. Ihr intellektueller und Freiheit gewährender Vater und auch ihr Ehemann, mit dem sie so lange zusammen ist, scheinen als Ursachen für diese tiefenpsychologische Wirkung nicht in Frage zu kommen. Wenn nicht autobiografisch, wessen Schmerz erzählt sie durch das Leiden der Helden-Figur Pain ("Schmerz"). Oder versucht sie, auf einer eigenen Welle des Feminismus zu schwimmen? Oder versucht sie, einer literarischen Kritik ihres Vaters als anständige Tochter zu begegnen?

Ihre unverfälschte, aber naive Herangehensweise an die Thematik Mann-Frau ist wohl auch nicht ganz unbeeinflußt von der Shôjo/Manga-Thematik ihrer Texte. Ihr Schaffen wird als die Romanisierung der Manga-Comics wie auch der Mangaisierung der Literatur betrachtet. Sie wuchs in einer Zeit auf, als sich sowohl Shôjo-Manga und Wohlstandskonsum synchronisierten. Bereits in Kitchen bestaunt Heldin Mikage die wundervollen hochqualitativen Küchengeräte und Essen ist für sie eine Art Ersatzbefriedigung.

Yoshimoto Banana und die Shôjo-Thematik

Shôjo wird oft durch folgende Merkmale charakterisiert: Das feminine Reine, sehr jung, ist nie sexueller Agent. Dadurch ist es unschuldig und wird verehrt. Es ist Ziel sexueller Attraktion, doch selbst die Ausstrahlung dieser ist ihm nicht bewußt, so wird diese Unschuld und das Verlangen nach ihm noch verstärkt.

Daneben ist es ein naives, lebensfrohes (kindliches) Wesen, welches seine Freude am Konsum schöner ("kawaii") Dinge findet, inklusive technischer Hello-Kitty-Produkte oder rosa Einbände für Schulbücher. Ihre Erzählstruktur ist einfach, oft fehlt Klimax wie auch ein logischer Handlungsstrang. Übernatürliche Kräfte begleiten die Heldin wie auch den androgynen Helden, denn auch Männer sind shôjo-isiert und "kawaii" in der Shôjo-Welt.

Jaqueline Berndt formuliert es so: Shojo symbolisiert vielmehr die "außergewöhnliche soziologische Stellung des heranwachsenden Mädchens, das weder am sexuellen Leben noch an einer wirtschaftlichen Produktion beteiligt ist [..]. Das Mädchen, das sich in eine eigene Welt zurückzieht, um sich vor dem Erwachsenwerden zu schützen, ist durch seine Passivität in erster Linie konsumierendes Subjekt."

Vina Yun reflektiert: "Kawaii stellt hier einen Schlüsselbegriff dar, um das Gefüge dieser Mädchenwelt zu verstehen: Nidlichkeit rules. Die japanische Mädchenkultur hat die "cuteness" in einem besonderen Maße verinnerlicht und ist voll mit allerlei nutzlosen, aber süßen Dingen (z.B. auch hier populär: Hello Kitty), deren Form und Character wesentlich durch die Shôjo Mangas beeinflußt wurde.
[..]
Trotz aller thematischen Erweiterungen des Shôjo-Manga bleibt die romantische Liebe eines der zentralen Motive.
[..]
SM [..] zeigt [..], dass trotz der vordergründig dominierenden Suche nach dem Traumprinzen und dem zukünftigen Familienglück, die heterosexuelle Ordnung immer wieder durchkreuzt wird: etwa durch die besondere Betonung der Mädchenfreundschaft, die Männer symbolisch ausschließt oder aber auch durch die, in Shôjo-Mangas weit verbreitete feminisierte Darstellung der männlichen Charactere [..].

In Sailor Moon finden sich aber auch schwule Liebhaber: die Bösewichte Zoisite und Kunzite. In der letzten Staffel von SM tauchen schließlich die Sailor Starlights, Gender Benders par excellence, auf: drei Jungs, die in der Transformation zu Sailor-Kriegerinnen ganz nebenbei das Geschlecht wechseln und sich in toughe Amazonen in kinky schwarzem Lack-Outfit verwandeln.

Zwar hatte die ästhetische Kategorie des "Bishonen" (des schönen Jünglings) bereits eine lange Tradition innerhalb der japanischen Kultur, kommt aber als zentrales Thema bei Moto Hagio vor.
[..]
Heute finden sich schwule (weniger lesbische) Love-Storys in allen möglichen Varianten: Schmachtend-sentimental wie etwa bei "Zetsuai/Bronze" von Minami Ozaki oder vor dem alltagsnah gedachten Hintergrund der Schwulenszene in der Großstadt wie in "New York, New York" von Marimo Rigawa.

Erstaunlich ist auch die visuelle Dynamik der Mangas: Nahaufnahmen, Perspektivenwechsel etc. sowie eine Vielzahl an expressionistischen Elementen - z.B. wehen plötzlich Blumen oder Blätter durchs Bild, leuchtende Blitze zerschneiden die Szene - charakterisieren den Zeichenstil.
-> Vergleich zu Licht und Farben bei Banana

Dies erinnert sehr stark an die Charaktere in Kitchen wie auch in Painatsu-Purin oder den 13jährigen Jungen in Amrita. Wenn die Probleme auch aus dem realen Leben gegriffen scheinen - man hat nie das Gefühl, einem echten Leben beizuwohnen. Das konstruiert wirkende Zusammentreffen der beiden Waisenkinder in Kitchen transformiert wiederum in Geschwister ist nicht weit entfernt von den fiktiven Geschichten der Shôjo-Mangas, in denen oft Familien verschiedenster Struktur auftauchen.

Giorgio Amitrano spricht im Nachwort zu Kitchen: "Doch der Überschwang und Zick-Zack-Kurs in Darstellung und Handlung sind nicht einfach Zufall, eher funktionieren sie als eine "geschützte" Nische in einer von männlichen Werten bestimmten Kulturwelt. In diesem Raum sind Übertreibung und übermäßige Gefühlsbetontheit keine Beeinträchtigung der Wahrscheinlichkeit, sie werden sogar zu einem Element, das den Erzählstrang zusammenhält."

Der starke Gebrauch von Onomatopoesien (in der englischen und deutschen Version oft umschrieben) und die bildlichen Beschreibungen der Szenen und Lichtverhältnisse verstärken das Gefühl, eher einen ausformulierten Comic als ein herkömmliches Buch in der Hand zu halten.

Quellen

  • Ann Sherif - Japanese Without Apology: Yoshimoto Banana and Healing
  • John Wittier Treat - Yoshimoto Banana's Kitchen or the Cultural Logic of Japanese Consumerism
  • www.yoshimotobanana.com
  • http://www.lyrikwelt.de/autoren/yoshimoto.htm
  • http://www.die-leselust.de/buch/yoshimoto_banana_np.htm
  • http://www.carpe.com/buch/index.html
  • http://www.shoubu.de/jap04-01.htm
  • http://www.titel-magazin.de/japan/yoshim.htm
  • http://www.malmoe.org/artikel/tanzen/321
  • http://www.malmoe.org/artikel/tanzen/432
  • http://www.japanlik.de/mk/mk_manga_shojo.shtml